GRAZ OPEN, zum zweiten....31.08.-08.09.03

von Martin Böhm

Zuhause sitzend, grübelte ich gerade über ein würdiges Turnier, als Manni Grosse mitteilte, dass etliche HP’ler vor Ort sein würden: für mich sofort ein Anlass, die Arbeit hinzuwerfen und zu „breaken", besonders nach der grossen Hitze, auch um der, durch die laue Sommerpause bedingten, beruflichen Eintönigkeit zu entgehen...gleichzeitig sah ich es auch als BL-Vorbereitung und „Urlaubs-Vernichtungsanlass".

 

Manni regelte Unterkunft und Anmeldung, ich reiste die 650km per Wagen an. Im Turniersaal spähen Klaus Weih und Manni bereits die „GM-Bullen" aus, immer die gleichen Turnier-Gesichter: Farago, Burmakin, Timoshenko, Gennadi und Georgi, Stanec, und Eva Moser, Rabiega und Zakharenko, Krivoshey, und Babulov....etc.
Wird wohl für uns Amateure langen !?
Ich erschrecke positiv über meine ELO 2288, bin 17. der Startliste, das verpflichtet.
Manni startet im „B"-Turnier, unter ELO 2000, kündigt lauthals den Turniergewinn an !
Klaus hält sich raus, nimmt Sekundantenfunktionen wahr (hinterher in der Analyse und im Turniersaal).

 

Trotz meiner reisebedingten Müdigkeit steigert sich die psychisch-physische Belastung noch: am Brett und in der Open-Air-Kino-Vorstellung im Augarten bei Dauerregen (Film „Böse Zellen", aufgepasst, der ist nicht so ohne weiteres zu sehen), mit Ausklang im Wettbüro (um Aufzuwärmen mit Grog !), bis ich endlich um 2.00Uhr in meine Frühstückspension komme...es klingt unglaublich, aber so sorgt Kultur-Manni für seine Gäste, neben den Erwähnten, noch Frank Grossmann mit Frau Sandra und Hubert Ebner zugange.

Je mehr Kultur, desto leichter fallen die Siege ! Die elegante Lösung für zukünftige Mannschafts-matches, denn nach 2 Runden haben Manni und ich je 2Pkte auf dem Konto...aber keine Regel ohne Ausnahmen: in Runde 3 kommen wir aufgrund eines Staus bei Leoben 40 Minuten zu spät, und das ausgerechnet gegen den deutschen Blitzmeister Rabiega, dem ich auch noch in seine Spezialvariante laufe...ganz übel, sehe „Null" und gehe unter...aber immerhin haben wir Ausstellung in Leoben „Geisha und Samurei" gesehen, hoch gelobt, was von allen Ausflüglern (Sandra, Klaus, Hubert, Frank, Manni) bestätigt werden kann.
Text

Langsam strukturieren sich die täglichen Abläufe heraus:

  • Morgens trudel ich gegen 10.00Uhr bei Manni und Omi, nebst Klaus, im Hochhaus ein, das ist sozusagen die Kommando-Zentrale, hier laufen die Vorbereitungen für Mannis und meine Gegner auf CB8.0 und einer passenden Megabase/Referenz-DB. Klaus unterstützt mit seinem reichen Erfahrungsschatz. Manni wird auf Stellungen geimpft, die taktischer Natur sind (wenn er sich nur an die Vorgaben halten würde...)
  • Mittags wird Omi verpflegt, manchmal auch wir...
  • Anschliessend Besuche von Grazer Attraktionen....
  • Zurückhetzen, und mit ein paar Vorgabe-Minuten gute Partie spielen
  • Meist gegen 20.00Uhr Partei-Ende, danach 1h Analyse, und Nächst-Gegner-Orientierung
  • Essen in originellen Umfeld (Brauhaus, oder steyrischen Stuben), und müder Ausklang
  • Bei mir gibt es abends noch einen Whiskey pur...

Besondere, man denkt lachhafte Vorfälle:

  • Manni betätigt sich als Rumänen-Jäger, der in „B" mitspielt....der vorgibt, 1800 ELO zu haben aber spielt und rechnet wie ein 2200, und ausserdem viele Vor-und Nach-Namen und Pässe vorlegt....er findet super Ergebnisse im Internet von dem Betreffenden, und legt die vor, mit dem Hinweis, dass er viel mehr ELO haben müsste und nur aufs Preisgeld scharf ist....unser Mann zeigt mit 9 aus 9 entsprechende Reputation in Graz...Frau Wagner mit ihren 80 Lenzen ist nicht scharf auf solche Enthüllungen und kritisiert eher Manni...ziemlich viel Unzulänglichkeiten, findet ihr nicht auch..?

Trotzdem lassen wir uns die gute Laune nicht vermiesen, feiern Mannis 444 444km im AUDI (ist die 11-fache Erdumrundung), lachen uns im Kino bei „Fluch der Karibik" mal richtig krumm (unter etlichen knutschenden Teenies), geniessen „Fantasie und Illusion" im Stift Pöllau, und erleben „Hai-watching" mitten in Graz (ein kleiner Schwarzspitzen-Riffhai kreist im kleinen Becken eines Super-Super-Einkaufszentrums, und ein Besuch im „Brot und Spiele" ist Pflicht (Kontroll-Foto an der Theke)...

Im nahen Stadtpark gelingt es mir, mal zu joggen und zum Abschluss noch 2h Sauna, bevor mich auf dem Rückweg sämtliche Urlaubsheimkehrer einklemmen und versprengte Mitglieder eines Harley-Davidson-Treffens im Kärntner Land Respekt einflössen.

Nachbetrachtung zum Open:

Überrascht hat mich Manni, der etliche Super-Partien spielte und verdient 2.des „B"-Turniers wurde, ich hoffe, er präpariert sich auch weiterhin so gut, jedenfalls trafen die Ratgeber Klaus, Hubert und ich genau den aktiven Stellungstyp, sowohl mit Schwarz als auch Weiss (7 aus 9 und 450.-EURO, gratuliere).

Den witzigen Einfall finde ich gelungen: als Gerd Schnider ausbezahlt wird, läuten lautstark 2 Handys...aber da war ich schon auf dem Heimweg.

Meine persönlichen Vorgaben für dieses Turnier waren extrem: keine bekannten Stellungen und Eröffnungen spielen, also war ich dauernd gefordert, vielleicht hätte es auch auf 6 Pkte gereicht, aber unwichtig: zweckmässig und guter Trainings-Effekt für die 2.BL.....

Aufgrund des Schweizer Systems sind die attraktiven Hauptpaarungen (GM-GM, usw.) erst in den letzten Runden 7-9 zu sehen, wer als Zuschauer dann übers Wochenende Fr, Sa, So) mal seine Idole betrachten wollte, kam immer zu spät: die Meister (vielleicht der Open-Philosophie) hatten mit und ohne Kurz-Züge-Ausführung stets remis gemacht, taten sich untereinander nicht weh, um sicher am Preisfond teilzuhaben....sobald ein Amateur zugelost wurde, knieten die sich richtig rein...ich finde, eine üble Open-Entwicklung.

Bis die Tage

Euer Martin