Die Macher

von Bernd-Michael Werner

Diesen respektvollen Titel hat sich der VfL Sindelfingen durch seinen beherzten Einsatz in den Schlussrunden der Oberligaspielzeit redlich verdient. Aber eigentlich sollte ich diese gestalterische Meisterleistung , mit dem aktiven Eingriff in den Abstiegskampf besser mit dem Attribut Absteiger-Macher belegen. Dieses bescherte den Schachfreunden aus Tübingen und Tamm den nicht mehr zu erwartenden Klassenerhalt . Wer glaubte, dass man durch den Einsatz des Glücksmünzwurfes gelernt hatte, musste sich eines Besseren belehren lassen. Nach sechs Runden deutete alles darauf hin, dass der einstige Stern am württembergischen Schachhimmel, welcher geradewegs mit einem 7,5:0,5 gegen Langenau die Führung der Tabelle übernommen hatte, den Sprung zurück in die zweite Liga schaffen könnte.

Wir konnten zu diesem Zeitpunkt unseren ersten Doppelpunktgewinn gut schreiben. Dass es für uns gereicht hat, war nicht zuletzt, einer guten kämpferischen Einstellung meiner Mannschaft zu verdanken. Natürlich war der Abgang unseres „Elefanten“ ( Rene Dausch) nicht zu übersehen. Zudem hatten andere Teams kräftig aufgerüstet, so dass wir in der Startrangliste schon in der gefährdeten Region zu finden waren.

In der siebten Runde strauchelte der VfL an Schw. Gmünd knapp mit 4,5 : 3,5 und der TSF Ditzingen übernahm wieder das Ruder ( Ditzingen 11-3, Sindelfingen 10-4, Bebenhausen 10-4, Schw. Gmünd 9-5). Wir ergatterten einen Punkt in Stuttgart und die Situation schien sich für uns langsam zu entspannen. In den beiden Schlussrunden ging es gegen Langenau und Tübingen.

Alles lief anders, als wir uns das vorstellen konnten. Tübingen kam unverhofft, gegen deutlich ersatzgeschwächte Sindelfinger zum doppelten Punktgewinn. Die totgesagten Tammer konnten den Gmündern ein Remis abtrotzen. Auch die Situation an der Spitze war durcheinander gewirbelt. Ditzingen patzte bei den Stuttgarter Schachfreunden II und Bebenhausen katapultierte sich durch einen Kantersieg über Marbach an die Tabellenspitze.

Durch die fette Ansammlung von Brettpunkten würde den Bebenhäusern ein Unentschieden über SSF II, in der Schlussrunde zum Aufstieg genügen. Natürlich wollte Ditzingen seine kleine Chance auf den Aufstieg wahrnehmen. Für die nicht weniger als fünf Abstiegskandidaten begann das Rechnen. Wir wären mit einer Punkteteilung sicher im württembergischen Oberhaus. Tamm hatte eigentlich nur mit einem hohen Sieg, bei gleichzeitigen Niederlagen von Marbach und Langenau, eine Möglichkeit auf Klassenerhalt. Aber eigentlich rechnete doch jeder mit einer Punkteteilung aus alter Freundschaft der Marbacher gegen die Gmünder. Aber dieser Spieltag hatte es in sich: Nach dem wir nach dem Stand von 1-1, bei einigen gutstehenden Partien an den restlichen Brettern Remis angeboten kamen, war die Annahme der sichere Klassenerhalt ( der Verfasser diese Artikels hatte deutliche Vorteile ). Die Tübinger harrten und bangten noch lange in ihrem Schachtreff, bis sie Gewissheit hatten.

Mit Bekanntgabe kam das Unglaubliche ans Licht, die Sindelfinger waren tatsächlich nur zu Fünft angetreten, gaben also den abstiegsgefährdeten Tammern drei Punkte vor. Diese entschieden schließlich den Kampf mit 5,5-2,5 zu ihren Gunsten, bei gleichzeitigen Niederlagen von Langenau - Ditzingen 1,5-6,5 ; und Marbach - Schw.Gmünd 2,5-5,5. Der Blick auf die Tabelle macht deutlich , dass erst die Höhe der Ergebnisse die Abstiegsfrage geklärt hat.

Ein solches Verhalten ist grob unsportlich und nur schade, dass das Ansehen von verdienten Persönlichleiten des württembergischen Schachs wie GM Klaus Darga und Dr. Gerhardt Fahnenschmidt hierdurch beschädigt werden. Schach ist ein fairer Wettkampf des Denkens und nicht der Trickbetrüger, und sollte wieder durch Kampf und originelle Partieführung unter Anwendung sportlicher Gesichtspunkte entschieden werden. Möge der Bessere gewinnen.

BMW unterwegs:

Natürlich möchte ich auch dieses Mal von dem einen oder anderen Schachereignis berichten. Wunderbar ließ sich dieses Mal der Expo-Besuch mit den zeitlich und räumlich zusammenhängenden Turnieren von Wernigerode und Bad Harzburg verbinden. Von unseren wunderbaren Erlebnissen rund um das Turnier In Lissabon möchte ich auf den wirklich köstlichen Bericht von Martin ( Martin Böhm) verweisen.

Nach Weihnachten wollte ich es etwas ruhiger haben und weilte wieder beim Bad Neustadter Turnier. Aber hier ist man nicht mehr sicher, denn ich musste in einem kämpferisch originellen Match IM Dobrocz niederringen. Auch diese Mal gebt es wissenswertes aus der Leutasch zu berichten. Da auch etwas über Pokal und Firmenschach dabei ist, solltet ihr schon, das Passende für Euch finden. Übrigens gibt es jetzt diese Beiträge auch im Internet.

Wernigerode - Bad Harzburg

Kurz vor Toresschluss ging es noch zur EXPO in Hannover. Bei strömenden Regen und teilweise schier endlosen Schlangen bei den einzelnen Pavillons kämpfte ich mich mit meiner charmanten Freundin durch das großartige Ausstellungsgelände. Sieht man von einigen offensichtlichen Mängeln ab (keine Schließfächer am Bahnhof und gesunde Abzockmentalität) war dieses Elend eine durchaus lohnende Angelegenheit.

Am Abend ging`s noch nach Wernigerode (mit den "normalen Schwierigkeiten" einer Bahnreise), da das Turnier morgens begann. Nicht nur die vorzügliche Turnierorganisation im Treffhotel, sondern vor allen Dingen der reizvolle Ort mit seinen vielen Fachwerkhäusern und zahlreichen Ausflugsmöglichkeiten machen dieses Turnier zum Erlebnis. Hier kam es zur Begegnung der Auswertungsgiganten. In meiner Partie gegen Dr. Peter Welz ( über 250 Auswertungen) kam ich anfangs ins Trudeln, konnte dann aber noch mal den Spieß umdrehen.

Partienliste.

Unmittelbar nach Turnierende in Wernigerode startet am Allerheiligen der Anlass in Bad Harzburg. Hier konnte sich im vergangenen Jahr erfolgreich unser Renè durchsetzen. Wir logierten diesmal in einer Ferienwohnung, welche getrennt durch den Schlosspark angenehm nah zu dem Bündheimer Schloss ( Spiellokal) lag.

Trotz guter Besetzung war ich lange Zeit auf Preisgeldkurs, verlor leider in der Vorschlussrunde gegen Lokalmatador Pape unglücklich und brachte mich so um den verdienten Lohn. Hier habe ich zwei Partien aufbereitet, wobei es schon bemerkenswert ist, wenn ich durch Zugumstellung gegen die königsindische Verteidigung spiele. Seht selbst!

Partienliste.

Bad Neustadt ( Saale )

Man mag es mir schon übel nehmen, wenn ich sozusagen fremd gehe. Zuhause tobt das Böblinger Open und ich suche mein Glück in der Fremde. Natürlich das ist ein netter kleiner Ort und schließlich hatte ich vor zwei Jahren hier den zweiten Platz belegt. Der gute Frankenwein ist ein Argument, welchem ich mich nur schwer verschließen kann.

Dieses Mal war alles anders. Die Idylle war gestört. Längst haben die IM (Ksieski, Dobrosz) welche bei großen Anlässen nicht mehr sicher ins Preisgeld gelangen, dieses Turnier für sich entdeckt. Ich kämpfte redlich - verlor in der 4. Runde gegen FM Riedel - konnte aber dann in der Vorschlussrunde spektakulär die Partie gegen IM Dobrosz für mich entscheiden. Ein Remis zum Schluss sicherte den geteilten Turniersieg (nach Wertung 2.).

Partienliste.

Leutascher Ski-Schach-Woche

Seit dem dieses Turnier 1989 aus der Taufe gehoben wurde, gehöre ich zum Inventar. Hier können die "Geier" nicht so richtig was ernten, denn es gibt eigentlich nur Übernachtungsgutscheine zu gewinnen. Also Urlaub mit etwas Kaffeehausschach am Abend, was auch unseren Martin zur Teilnahme motivierte. Weitgefehlt, denn zwischenzeitlich reihen sich immer mehr Spieler zwischen 2200 und 2300 ins Teilnehmerfeld.

Die Reise in das Winterparadies war weit mühseliger als angenommen, denn wir hatten einen Mannschaftskampf am 7. Januar gegen Schwäbisch Gmünd (deutliche Niederlage 6-2) zu spielen. Also hatten wir untereinander eine Punkteteilung beschlossen., denn wir würden schon rechzeitig zur Sonntagsrunde am Abend im Hotel Steinbock eintreffen. Alles lief furchtbar. In einer hoffnungslosen Partie quälte sich Martin und verlor schließlich und als wir endlich losfuhren hatte sich der Winter eindrucksvoll zurück gemeldet. Wir kamen zirka 75 Minuten nach den angesetzten Rundenbeginn und verloren schließlich kampflos.

Der Gedanke, dass es sich dabei doch wohl um ein Ferienturnier handelt musste hinter kampflosen Punkteernte zurück stehen.

Wir konnten uns in den nächsten Runden wieder rankämpfen und am Ende die begehrten Übernachtungsgutscheine beim neuen Steinbockwirt einlösen. Trotz allem war es eine erholsame Woche, und ich denke auch für Martin ,in der Leutasch.

 

Firmenschach

Von Zeit zu Zeit stehe ich den Schachfreunden der Firma Hewlett-Packard (anders als der Verein HP Böblingen) als Gastspieler zur Verfügung. Wen wundert´s, dass man häufig auf Spieler trifft, die auch in einem verbandsüblichen Verein Mannschaftskämpfe bestreiten. Da selbst mir, ab und an eine ansprechende Partie gelingt, möchte ich für euch die königsindische (Sämisch) Partie gegen Krämer besprechen. Ein gutes Beispiel, wo das Mehr-Material gegen das aktive Spiel denKürzeren zieht.

Partienliste.

Viererpokal auf Bezirksebene

Der Mannschaftspokal ist durchaus eine beliebte Angelegenheit. Und wenn's nicht zu lange dauert setzt man sich nach getaner „Arbeit“ gerne noch auf ein Bier zusammen. Für diesen Part habe ich die Mannschaftsführung von Thomas Heinl, nach dessen berufsbedingten Umzug nach Heilbronn, geerbt.

Und für gewöhnlich spiele ich nur, wenn es gar nicht anders geht. Da Thomas es nicht mehr rechtzeitig geschafft hätte, musste ich kurzerhand ans Gerät. Mein Gegner Seifried ( DJK -Stuttgart ) war wohl nicht informiert, dass man mich nicht mit den vier Bauern bei der Aljechin-Verteidigung anfallen soll. Thomas der zwischenzeitlich eingetroffen war, vernichtete planmäßig den Weißbiervorrat, so dass nach Beendigung der Partie, sich nur der Wechsel in eine andere Lokalität anbot. Übrigens es war Weiberfastnacht.

 

Mannschaftskampf Oberliga: SC HP Böblingen - Schwäbisch Gmünd

Das wir kräftig eingeseift wurden, habe ich ja schon entsprechend dargestellt beim Bericht über Leutasch. In diesem Kampf lag eine besondere Spannung, da wir

(Martin und ich) eigentlich nicht lange spielen wollten, wegen der bevorstehenden Reise nach Leutasch.

Irgendwie kam ich bei der königsindischen Verteidigung gegen Schachfreund Pohl unter Druck, konnte mich aber wieder heraus wursteln und es entstand ein Endspiel, was für beide Seiten ungewinnbar schien. Mein Gegner bot die Punkteteilung an, ich schaute eine Weile die Sache an und willigte schließlich ein. Aber seht selbst, wie wunderbar die Sache studienartig zu entscheiden war.

Partienliste.

 

Bis die Tage, Euer BMW