Und dann fiel auch noch der "Elefant"

von Bernd-Michael Werner

Was für ein Pech, mein schönster Aschenbecher aus Ton in der Mitte mit einem Elefanten verziert, verfängt sich beim Bügeln in einem Hemd und fällt zu Boden und zerbricht. Da muss ich schmunzeln, und denke an den leibhaftigen "Elefanten" seine unzähligen Zigarillos, einem guten Glas Wein und unserer ausgiebigen Vorbereitung auf den kommenden Mannschaftskampf. Die Zeiten sind vorbei, und hoffentlich wird uns der Dickhäuter Rene nicht allzu sehr fehlen in dieser Spielzeit.

Einen kleinen Rückblick schachlicher Höhepunkte zwischen Harz und Hemmingen ( Kandidatenturnier) habe ich vorbereitet.

Ausgerechnet die "Glücksmünzen-werfer" vom VfL Sindelfingen waren unser Auftaktgegner zur neuen Oberligaspielzeit. Ausgestattet mit viel Erfahrung und mit der deutlich stärkeren Mannschaft wurden wir von den Nachbarstädtern wie vom Sturm weggeblasen (HP I - Sindelfingen 2½ : 5½). Zwar war das Ergebnis eigentlich zu hoch, denn viele Möglichkeiten blieben ungenutzt. Zumindest unser Neuzugang Gunther Glück und auch der Verfasser dieses Berichts konnten einen vollen Punkt verbuchen.

Während ich in Ilfeld/Harz noch einen guten Erfolg landen konnte, lief es auch beim Filder-Open in Leinfelden leidlich. Mein Ausflug nach Belgien (Gent-Open) mit meiner netten Freundin Hildegard war schachlich eher bescheiden zu nennen. Meine Begegnung mit dem Senioren-Weltmeister Mark Taimanov ist trotz Auslassen guter Chancen bemerkenswert.

Also viel Spaß beim Betrachten der Turniererzählungen.

Ilfeld (Harz)

Ilfeld liegt am nördlichen Rand des Südharzes (ehem. DDR) nahe Nordhausen

Auch zehn Jahre nach der Einheit ist hier noch viel zu tun. Für mich durchaus sehr erfreulich, durch die Strukturschwäche bedingt, gibt es supergünstige Hotelzimmer bereits ab DM 40,-- und kaum zu glauben ein Weißbier gar schon ab DM 3.-- zu trinken.

Das Spiellokal, ein ehemaliges Kinderheim, war etwas außerhalb in einem Waldstück gelegen. Natürlich fehlen bei diesen Anlässen die ganz großen Namen, aber die Breite ist durchaus bemerkenswert. Abgesehen von der Startrunde hatten meine Gegner einen Schnitt von fast 2100, was bei einem Ergebnis von 5,5/7 eine Performance (DWZ-Leistung ) von 2355 ergibt, was den zweiten Platz bedeutet.

Aus diesem Turnier habe ich zwei bemerkenswerte Partien ausgesucht. Der Königsinder (Vierbauernangriff) gegen Mager sollte thematisch bereits in der letzten Ausgabe vorgestellt werden. In der zweiten Begegnung gegen den Ranglistenersten Darius hätte ich eigentlich schon aufgeben können, aber dann kippte die Sache wie durch Zauberhand geführt. Seht selbst !

(1) Werner,B (2172) - Darius,H (2267) [A36]
Ilfeld op (6), 04.2000

(2) Mager,J (2029) - Werner,B [E76]
Ilfeld (4), 03.2000

 

Deidesheim (Pfalz)

Der wunderbare Pfalzort zwischen Neustadt und Bad Dürkheim an der nördlichen Weinstraße gelegen, war als Austragungsort des Pfälzischer Schachkongresses und einem offenen Turnier meine nächste Station. Für die besondere Popularität dieses romantischen Weindorf ist insbesondere Altbundeskanzler Dr. Helmut Kohl, welcher Staatsgästen im "Deidesheimer Hof" vornehmlich den allseits bekannten Saumagen kredenzen ließ.

Auch der "Elefant" besuchte dieses fünf-Runden-Turnier, welches mit Spielern wie IM Kekelidse, Hammes, Solomunovic, IM Dobrosz , IM Solonar u.a. durchaus ansprechend besetzt war.

Unser René erreichte den geteilten 2.-6. Platz mit 4 von 5 Punkten. Er hätte durchaus zufrieden sein können, wenn nicht die stark gestaffelten Preise (1000, 500, 300, 200, 100 DM) nach Buchholz verteilt worden wären und er mit dem undankbaren 6. Platz vorlieb nehmen musste (6 Fl. Pfalzwein), während Hammes ( Koblenz 2.BL) DM 500 einsteckte Gerechter ist zweifellos das Luganer System, denn wer einen "foulen Gegner" hat, ist angeschmiert.

So gesehen ist es fast gut , dass ich meine aussichtsreiche Position gegen Hammes nicht ausnutzen konnte, und gar verlor. Gegen den IM Solonar machte ich locker remis, sodass dieser die letzte Runde nicht mehr spielte.

Hier gibt es einen Weiß-Sieg gegen Martin Müller vom SC Rülzheim.

(3) Werner,B - Müller,M (2024) [B20]
Deidesheim (3), 04.2000

 

Münnerstadt

Mit den "1. Münnerstädter Schachtagen" hat Jürgen Lenz (Stuttgart) den Versuch unternommen ein neues siebenrundiges Ferienturnier einzuführen. Die ansprechenden Räumlichkeiten der alten stuckverzierten Aula boten einen hervorragenden Rahmen für die Aktivitäten.

In meiner Partie gegen den Senioren-Weltmeister und Großmeister Mark Taimanov, welcher in Vancouver 1971 im Kandidatenwettkampf gegen Robert Fischer sein Waterloo ( 0:6) erlebte,hatte ich gute Möglichkeiten. Da ich "Mehr wollte" habe ich den sicheren Weg ins remis nicht eingeschlagen,übersah etwas und musste die Segel streichen.

(4) Werner,B (2174) - Taimanov,M (2405) [A36]
Münnerstadt (4), 08.2000


Großmeister Mark Taimanov

Hemmingen

Wieder einmal musste Hemmingen (bei Schwieberdingen) nach 1998 für das Kandidaten-Turnier des württemb. Schachverbandes herhalten, weil sich kein anderer Ausrichter fand. Dieser Anlass, welcher sich beispielsweise bei Vereinsjubiläen bestens eignet als Rahmenveranstaltung, sollte seitens des Verbandes eine angemessene Unterstützung der Veranstalter erfahren. Viele Open zwingen dazu gerade die Veranstaltungen des Verbandes interessant auszugestalten.

Eigentlich wollte ich nicht teilnehmen, aber kurz vorm "Ersten" war das Startgeld von DM 100,-- (pauschaler Zuschuss) ganz angenehm. Für zwei von drei HP´lern lief die Sache durchaus super. Mit dem Turniersieg von Thomas (Heinl) und meinem vierten Platz haben wir den Wiederaufstieg in das württemb. Meisterturnier geschafft.

Eine Aljechin-Verteidigung gegen den Vierbauernangriff von Winfried Haist war wohl eine der besten Partien von mir. Ganz im Gegensatz dazu steht meine Entscheidungspartie gegen Mödinger, welche gut beginnt, kurzzeitig den Abgrund streift, und am Ende gut ausgeht.

(5) Haist,W (2045) - Werner,B (2174) [B03]
Hemmingen (6), 08.2000

6) Mödinger,R (2139) - Werner,B (2174) [E61]
Hemmingen (9), 09.2000

 

Leinfelden

Das Filderopen ist ein neuer Name auf der Turnierliste , welches unter Leitung von Jürgen Lenz hervorragend eingeführt wurde. Bedingt durch das zuvor gelaufene Turnier von Deizisau waren trotz Reklame weniger Spieler als erwartet am Start.

Die Filderhalle als moderne Mehrzweckhalle war in der Ausstattung bestens geeignet und bot hervorragende Voraussetzungen für ein Turnierdebüt. Es gab Einzeltische und die ersten acht Bretter waren abgesperrt. Besonders reizvoll für mich war im vorderen Bereich die Bereitstellung von kostenlosen Mineralwasser.

Der frischgebackene Großmeister Schmaltz hat verdient gewonnen.

Daneben waren starke Spieler wie GM Schlosser, IM Kekelidse, GM Rotstein, Josef Gheng, usw. am Start.

Hier habe ich einen witzigen "Franzosen" mit spektakulärem Ausgang analysiert.

(7) Werner,B - Lehmann,S [C11]
Leinfelden (6), 05.2000

 

Bis die Tage Euer BMW